
Auf der IFA in Berlin habe ich nach schlauen humanoiden Robotern gesucht, die meine dumme Spülmaschine ausräumen können. Gefunden habe ich Roboter, mit denen ich das Konsolenspiel TEKKEN im echten Leben spielen kann und schlaue Spülmaschinen mit eingebauter KI. Das war beides unendlich cool, dennoch bin ich enttäuscht nach Hause gefahren!
China hat erfolgreich seine Autoindustrie groß und im Bereich Elektroauto global fast schon marktführend gemacht. Nur drei Fünfjahrespläne der kommunistischen Führung waren dafür notwendig! Das gleiche Schema fahren sie nun mit der Industrie für humanoide Roboter. Der Unterschied ist: Dieser Markt ist noch eine komplett grüne Wiese, daher ist es ein Lackmustest, ob sie wirklich auch von Grund auf Innovationen und Märkte gestalten können!
Bei den Autos konnten sie von uns lernen, adaptieren und Gutes besser machen. Heute kommen die Innovationen in dem Bereich vor allem aus China. Man hat nicht nur aufgeholt, sondern überholt und setzt sich nun ab. Bei den humanoiden Robotern gibt es aber noch nichts zum Abgucken! Können chinesische Tech-Firmen also auch komplett Neues erschaffen?

Auf der IFA in Berlin konnte ich kürzlich die Innovationen der chinesisch-dominierten Elektronikindustrie ansehen und wurde leider bitterlich enttäuscht. Sämtliche humanoiden Roboter waren dumm wie Brot! Abgeschirmt von Sicherheitspersonal, stets ein Bediener mit Fernbedienung in der Nähe und bestenfalls in der Lage, auf Knopfdruck Bewegungsabläufe zu wiederholen, die vorher wie in einer CNC-Maschine programmiert wurden.
Sicher sind komplexe Choreographien und das Gleichgewichtsvermögen beeindruckend weit gereift – stabile Maschinen beherrscht man halt in China durchaus souverän. Aber ohne Joystick und ohne Schrittanweisungen kann ein humanoider Roboter nicht mal eine Banane aufheben. Was fehlt, ist eine echte Real World AI, die sich sicher autonom im Raum bewegen und auf eine total heterogene, diverse und chaotische Welt reagieren und diese auch gezielt verändern kann.
Während wir also sprachliche KI-Modelle (LLMs) bereits mehrwertbringend in unser Arbeitsleben integrieren konnten, gibt es für physische Tätigkeiten noch keine echte Lösung. Auf der IFA habe ich sämtliche Hersteller humanoider Roboter gefragt, wann diese meine Spülmaschine ausräumen können. Die Antworten variierten stark und lagen zwischen zwei und acht Jahren – das dürfte also noch eine ziemlich lange Durststrecke sein, bis zu einem Haushaltshelfer.

Nicht nur die Technik muss da sein, auch der Gesetzgeber muss das Vertrauen in diese neue Produktkategorie erlangen und dann dafür den nötigen Rahmen schaffen, damit es überhaupt erlaubt ist, als Privatperson einen Roboter zu kaufen und ihn zum Einkaufen in den Supermarkt zu schicken. Ohne Beleg, dass eine sichere Interaktion zwischen Mensch und Maschine jederzeit gewährleistet ist, wird das nicht passieren. Werden chinesische Firmen hier erfolgreich sein, solide Lösungen schaffen und auch Märkte dahingehend gestalten können?
Ein Hoffnungsschimmer ist Tesla und der Optimus V3 Roboter, der dieses Jahr als erstes Serienmodell von Elon Musk präsentiert werden soll. Die Andeutungen sind vollmundig und mancher könnte reflexartig abwinken, ob des grenzenlosen Optimismus des CEO. Jedoch ist Tesla vielen anderen eindeutig voraus: Eine end-to-end Real World AI ist bereits vorhanden und erfolgreich im Einsatz! Nicht nur das Model Y als RoboTaxi, sondern neuerdings auch das Tesla Cybercab, das erste Massen-Serienauto ohne Lenkrad und ohne Pedale.

Tesla weiß also, wie man vorne die rohen kamerabasierten Sensordaten reinschickt und hinten Befehle für Aktuatoren aus dem trainierten neuronalen Netz rausbekommt. Die Prozesse, einer computerbasierten zweibeinigen Maschine eine Interaktion in der echten Welt beizubringen, und die Prozesse fürs erlernen des Fahrens im Straßenverkehr, dürften sich sehr ähneln. Das Rennen zwischen China und USA läuft gerade auf Hochtouren im Bereich der humanoiden Roboter, wir in Europa schauen leider weitgehend nur zu. Wie weit Tesla aber die Nase vorne hat, werden wir vermutlich bald wissen.
Tesla kämpft in den USA für eine Homogenisierung der Regeln für autonomes Fahren, damit in allen Bundesstaaten Fahrzeuge nach gleichen Regeln fahren dürfen. Aber auch in Europa gestalten sie den Markt und treiben die EU-Kommission und die UNECE durch die sogenannte Artikel-39-Sonderfreigabe von FSD supervised in den Niederlanden ordentlich vor sich her. Sie könnten also auch Roboter-Gesetze durch Schaffung von Fakten anregen. Ob die Chinesen derlei Marktgestaltungen auch können, bleibt vorerst offen. Die Spülmaschine piepst, es ist Zeit, sie auszuräumen – mal sehen, wie lange noch.
