– Erste Fortsetzung … –

Nachdem ich über meine Abenteuer beim Laden des Smart aus Januar 2014 unterwegs berichtet hatte, war ich aus anderem Anlass erneut am Centro in Oberhausen – eine Distanz, bei der ich für den Rückweg lieber laden wollte.

Diesmal wähnte ich mich gut vorbereitet….

Nach einiger Recherche hatte ich mich nach meinen Vorerlebnissen für einen Autostromvertrag von BEW entschieden, da ich dort keine Grundgebühr zahlen muss und mir so auch das hier gut ausgebaute Ladesäulennetz der RWE zur Verfügung steht. Denn BEW ist Roamingpartner der RWE. Die Grundgebühr bei RWE von monatlich 4,95€, lohnt sich für mich nie, da ich überwiegend zu Hause an der Wallbox lade und nur gelegentlich -auf der Langstrecke- unterwegs Ladesäulen benutzen muss. Monatlich 4,95 Euro, um für ein paar Cent Strom zu laden, steht für mich in keinem Verhältnis und schreckte eher ab.

Vor der Fahrt also alles gründlich gecheckt:

 Ladekabel – an Bord
  Intercharge App – auf dem Smartphone installiert
 BEW Kunden ID und PIN – in App eingetragen und gespeichert

Alles vorbereitet zum Laden, da kann jetzt nix mehr passieren  … dachte ich.

Aber es kam anders:

RWE Ladestation OberhausenProblemlos angekommen, Parkplatz vor der Ladesäule frei – super dann kann´s losgehen, und ran an den Strom: Ladesäule und Smart mit Kabel verbunden, Intercharge-APP gestartet, Barcode der Säule (auf der richtigen Seite!) gescannt. Ladesäule wird erkannt und der Standort auch richtig angezeigt. Die sodann wenig aussagekräftige Meldung „Fehler -500“ verhinderte dann aber die Freischaltung und damit das Laden des Smart. Bestimmt mache ich was falsch, dachte ich. Also noch gleich ein paar mal versucht, mit immer der gleichen Fehlermeldung. Also flugs die auf der Ladesäule angebrachte Telefonnummer angerufen, um den Fehler durch Eingriff des Telefonsupports zu beheben. Eigentlich wollte ich genau das durch den Autostromvertrag vermeiden. Nachdem zunächst eine Warteschleife mich darauf aufmerksam machte, dass alle Mitarbeiter im Gespräch seien, wartete ich und nutzte die Zeit, um es mit der App nochmal zu versuchen.

Inzwischen stellte ein Rentnerpärchen seinen Rollator neben dem Smart ab und sah mir bei der Aktion eine Weile überaus interessiert und deutlich verwundert über die modernen Zeiten zu. Schliesslich war die Telefonleitung frei, und ein Mitarbeiter der RWE-Hotline versuchte mir zu helfen. Zumindest solange, bis er feststellte, dass meine Benutzer-ID nicht in seine EDV-Maske passte und ich wohl nicht Kunde von RWE sei. „Nein, ich bin bei BEW, die sind doch Roamingpartner“, sagte ich. Von da an war der RWE-Mann zu keiner weiteren Aktion mehr zu bewegen, da er nicht zuständig sei. Auch wenn die Ladesäule von RWE sei, sei ich BEW-Kunde und „irgendwo müsse man ja sein Geld herbekommen“.

Zum Glück hatte ich mir im Handy auch die Telefonnummer der Ansprechpartner bei BEW notiert, und da ich zu den Geschäftszeiten unterwegs war, erreichte ich direkt einen überaus freundlichen und wirklich hilfsbereiten Mitarbeiter, der – wie sich später herausstellte – selbst einen Renault Zoe fährt, also genau wusste, wovon er spricht. Von ihm erfuhr ich, dass die Intercharge-App noch nicht so recht funktioniere, auch wenn ein entsprechender QR-Code Aufkleber auf der Säule prangte. Er riet mir, in Zukunft lieber die e-kWh-App der RWE zu verwenden, da Intercharge noch sehr im Aufbau sei. Er sendete mir gleich per Mail die dazugehörige Bedienungsanleitung als PDF.

Appstore

 

Touristenattraktion

Zwischenzeitlich hatte sich ein Bus voller asiatischer Touristen, vermutlich Japaner, um mich und meinen Smart geschart, und die von der augenscheinlich japanischen Reiseleitung geplante Besichtigung des Oberhausener Centros wurde eine Weile verschoben, um meinem Schauspiel beizuwohnen. Die Übermittlung der relativ langen Benutzer ID und der PIN über Telefon an BEW war fehleranfällig und vor allem deshalb nicht ganz einfach, weil gleichzeitig zu telefonieren und die Daten aus der Passwort-App auszulesen meine ganzen Multitaskingfähigkeiten forderte, und ich fand zum Verrecken den „Lauthören-Button“ am Handy in der Aufregung nicht. ID und PIN waren nach mehrmaligem Buchstabieren wegen offenbarer Übermittlungsfehler inzwischen der gesamten asiatischen Reisegruppe bekannt. Ich baue fest darauf, dass diese damit in Deutschland kein Elektroauto aufladen wollen und der Pin-Code hoffentlich in Japan nicht gilt. Über meinen Namen und die Adresse konnte mich der BEW-Mitarbeiter schließlich identifizieren und so die Säule erfolgreich freischalten. Säule leuchtet blau, Smart-LED gelb, dann grün und Auto lädt. Große Freude, der Strom fließt! „ICH HABE FEUER GEMACHT“ hätte Tom Hanks jetzt gesagt und sich auf die Brust geschlagen. Dank 22KW Schnellader und tatsächlich voller 32A Ladeleistung war mein Smart nach einem Kaltgetränk für mich und einem Kaffee für meine Frau innerhalb von gut 20 Minuten wieder voll geladen.

Fazit

Augenscheinlich muss ich noch viel lernen, bevor ich mich entspannt mit dem Elektroauto auf die Langstrecke wagen kann und Strom so selbstverständlich wie früher Benzin tanke. Auch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass die Stromanbieter sich endlich und vor allem bald zusammenraufen und die an sich gute Idee „Intercharge“, also ein einheitliches Freischaltesystem, etablieren, das kundenfreundlich zu bedienen ist und dass vor allem funktioniert. Auch Nino hatte sehr treffend dazu seine Erlebnisse mit der RWE hier berichtet. Wenn der Erfolg der Elektromobilität wirklich gewollt ist, dann steht und fällt er mit der Ladeinfrastruktur. Die hat gegenüber der Fahrzeugtechnik und der Ladesäulenhardware nach meiner Meinung den größten und dringenden Nachholbedarf! Demnächst werde ich es unterwegs einmal mit der e-kWh App versuchen. Mal sehen, ob es einfach klappt, oder ob da wieder ein Artikel draus wird …